Erfahrungsbericht, die Teilnahme am Fuji-Berglauf

Beim Fuji-Berglauf an einer Verpflegungsstelle

Der Fuji-Berglauf

Der Berg Fuji ist für die Japaner ein heiliger Berg, zugleich höchster Berg im Land der aufgehenden Sonne.
Der Fuji san ist das Wahrzeichen Japans. Ein Ziel für Pilger, Bergwanderer und die ultimative Herausforderung für ambitionierte Läufer, die den Berglauf von Fujiyoshida bis zum Kraterrand innerhalb von 4 Std. 30 min. und einer Höhendifferenz von 3006 Meter laufen möchten.

 

In der Schweiz

Ich entschied mich am Fuji-Berglauf teilzunehmen

Die durchschnittliche Finisherquote liegt bei höchstens 45%, was viele Läufer an einer Teilnahme dieses traditionellen Berglaufes zurück schrecken lässt.
Schätzt man aber seine Fähigkeiten realistisch ein, lohnt es sich darüber nach zudenken. Mit intensivem Trainingsaufbau ist eine erfolgreiche Teilnahme möglich.

Mein erster Gedanke, „wenn ich den Swiss Alpine Marathon (K42), Jungfrau- und Zermatter- Marathon gelaufen bin und auch einen Städtemarathon in 3 Std. 14 min. laufen kann, sollte doch auch der Berg Fuji in 4Std. 30min. zu schaffen sein“.
Gedacht getan, nach dem Motto, „Spass muss sein“ und schon war die Anmeldung über das Internet erfolgt.
Der 22. Juli ist in meiner Agenda mit, „Fuji-Lauf, Start am 22. Juli, 07:30h“ verplant.

 

In Japan

Kurz vor dem Start

Noch genau 10 Sekunden bis zum Start. Es herrscht Stille.
Plötzlich, ein Knall und die ersten Schritte führen mich ins vertraute Läuferdasein.
Mit gegenseitigem Zurufen, „ganbarimashou“, was so gut wie, „lass uns durchhalten“ bedeutet, rennen wir gemeinsam los. Kaum ist die erste Kreuzung erreicht, stehen schon unzählige Zuschauer am Strassenrand und rufen uns mit lautfröhlichen Stimmen „Ganbatte, Ganbatte kudasai“ zu.
Ich erinnere mich an das Gespräch mit einem Einheimischen, der mir beim abendlichen Ofuro (Thermalbad) einen nützlichen Rat gab, „versuche die ersten 11 km in 90 Minuten zurückzulegen, sonst wird es sehr sehr schwierig, das Ziel unter 4 Std. 30 min. zu erreichen".
Die Zeitvorgaben beginnen bereits bei der 5. Station, bei 15 km muss man um 10 Uhr, bei der 8. Station um 11:40 Uhr angekommen sein, sonst wird man disqualifiziert. Passiert man die 5. und 8. Station innerhalb den vorgegebenen Zeiten und das Ziel (10. Station) unter 4 Std. 30 min., so zählt man zu den stolzen Finishern!

Die morgendliche Temperatur liegt bereits bei ca. 25C° und die Luftfeuchtigkeit über 75%. Nach den ersten zehn Minuten denke und hoffe ich zugleich, dass es kühler wird. Ich nehme meinen ersten Schluck Wasser aus der Trinkflasche. Mit dem Blick auf den Fuji und meine Gedanken irgendwo dazwischen, laufe ich dem noch weit entfernten Ziel entgegen. Nach ca. 4 km sind wir am Waldrand, Richtung Sengen Jinja (Schrein) angelangt. Die Steigung wird spürbar und die Hitze macht mir zu schaffen, so dass ich öfter einen Schluck Wasser zu mir nehmen muss.

Plötzlich weichen die Läufer vor mir nach links und rechts, die erste Verpflegungsstelle!
Ein Gerangel, wie in einem Ameisenhaufen. Ich versuche bis zum Getränketisch durchzukommen, muss aber kurze Zeit warten, bis ich mir zwei Becher Wasser ergattern kann. Den Ersten trinke ich so schnell, als hätte ich schon Stunden kein Wasser mehr zu mir genommen und den Zweiten kippe ich hastig in meine Trinkflasche. Danach geht es weiter. „Das Tempo finden und konzentriert weiter laufen“, denke ich.

Nach dem wir den Sengen Schrein passiert haben, befinden wir uns in einer dicht bewaldeten Gegend, wo der Yoshida-guchi Kletterweg beginnt.
Mit aller Kraft versuche ich mein Tempo zu halten, realisiere aber schnell, dass es zwecklos ist. Trotz Steigung und Unebenheiten versuche ich schnellstmöglich zu laufen, immer mit dem Gedanken die ersten 11 km in 90 Minuten zurückzulegen. Bereits beginnen die ersten Läufer im Wanderschritt hochzugehen. Bis nach Umagaeshi sind es 11 km, d.h. ich habe jetzt nach mehr als 4 km genau noch 60 Minuten Zeit bis zur 11 km Marke. "Schaffe ich das?"

Trotz grosser Anstrengung bemerke ich die Schreine und Denkmäler, die nur einige Meter vom Wege entfernt stehen. Für uns westlichen Läufer ein ungewohnte Wahrnehmung. Ich versuche mir vorzustellen, wie es gewesen sein könnte, als die Japanischen Krieger in der Tokugawa Zeit die Fuji-Wälder durchstreiften. Ich versuche mich abzulenken und das Laufen zu geniessen.
Der Laufpfad wird schmäler, wir steigen in langsamen Schritten eine steile Böschung hoch. Eine Lichtung ist zu sehen und zugleich kommt die nächste Verpflegungsstation!
Nach einer kurzen Pause fühle ich mich gestärkt und versuche im Laufschritt weiter hochzugehen. Doch nach einigen Minuten kann ich meinen Atem nicht mehr kontrollieren und steige, wie die meisten Läufer in schnellem Wanderschritt bergaufwärts.
Erstaunt nehme ich die Uhrzeit wahr und bemerke, dass ich bereits 1 Std. 45 min. unterwegs bin!
Mein erster Gedanke, „habe ich die 11 km Marke passiert?“ Ich frage einen Sanitäter, der wie angewurzelt an der Wegstrecke steht, ob Umagaeshi schon hinter uns liegt. Seine Antwort, „jawohl, die fünfte Station wird die Nächste sein.“ „Gut, dann kann es ja noch reichen“, denke ich.

Nach einem weiteren Kilometer nimmt die Steigung stark zu. Zweifel kommen auf, „kann ich das wirklich bis zum Gipfel durchstehen, werde ich das Ziel in 4 Std. 30 min. erreichen?“
Die Baumgrenze ist erreicht. Mit dem Blick auf eine atemberaubende Landschaft, übersät von schwarzem Lavagestein, lösen sich meine Gedanken vom Laufen. Ich habe das Gefühl auf dem Mond zu sein. Eine karge beeindruckende Vulkanlandschaft offenbart sich uns. Ich versuche mir vorzustellen, wie es auf dem Gipfel aussehen könnte, schaue nach oben zum weit entfernten Kraterrand und denke an den Ausblick, vom Ziel in die Tiefe.
Vom Bergläufer bin ich wie alle anderen Läufer zum Hochgebirgswanderer geworden. Schnaufend und ächzend, kämpfen wir uns Meter für Meter auf staubig steinigem Boden nach oben. Jetzt ziehe ich wie viele andere Läufer meine Handschuhe an, damit ich meine Hände nicht am spitzigen Lavagestein verletze.

Ein Berg der aus der Ferne betrachtet so schön und harmlos aussieht, lässt bei der Besteigung gegenteilige Gefühle aufkommen. Ich habe mich wahrscheinlich wie viele andere Teilnehmer getäuscht!

Die Temperatur hat stark abgekühlt. Ich versuche in schnellem Tempo weiterzugehen. Bereits ist die 8. Station in Sicht, d.h. 19 km mit einer Höhendifferenz von 2360 Metern sind geschafft. Ich prüfe die Zeit und bemerke, dass mir gerade noch 75 Minuten bis zum Ziel bleiben.

Die 3000 Meter Grenze liegt bereits hinter mir und der Atem wird spürbar schwerer.
Läufer mit Wadenkrämpfen liegen am Rand. Jeder kämpft für sich - jeder will es noch schaffen!
Nun habe ich die 8. Station passiert, schaue auf die Uhr, trinke Wasser und gehe mit unentwegtem Schritt weiter. Ich verliere das Gleichgewicht und stürze beinahe, kann mich aber im letzten Moment noch an einer Eisenstange, die als Kletterhilfe angebracht ist, festhalten. Dicht gedrängt auf dem schmalen Kletterpfad beginnt nun die Endphase, jeder Läufer versucht noch unter 4 Std. 30 min. das Ziel zu erreichen.
Eine nicht einzuschätzende Distanz trennt uns vom lang ersehnten Ziel, zwölf Minuten bleiben noch!
Ich denke an nichts und klettere konzentriert, Schritt für Schritt mit letzter Kraft auf den Gipfel zu. Ich mobilisiere meine letzten Kräfte........
Erschöpft und ausser Atem versuche ich auf den letzten 50 Metern das Tempo nochmals zu steigern.

Jetzt, das Ziel!
Ein Blick auf die Uhr, 4 Std. 24 min., ich habe es geschafft und freue mich riesig! Meine Beine sind schwer und schmerzen. Ich trinke und esse zwei Kekse, ziehe meine mitgebrachten Regenkleider an und setze mich an den Bergrand von wo ich die Aussicht geniesse und immer noch viele Läufer aufsteigen sehe.

Ich freue mich und denke im Moment an nichts.

 

Weitere Angaben zum 58. Fuji Mountain Race

Start: Freitag, den 22. Juli 2005 um 07:30 Uhr von der Fujiyoshida City Hall

Teilnehmer:
Männer: 2330
Finisher Männer: 991 (entspricht 42.5%)
Frauen: 137
Finisher Frauen: 37 (entspricht 27%)

Fotos zum Fuji Berglauf:
Bildgalerie Fuji Mountain Race

Informationen über den Fuji Berglauf 2011
Fuji Mountain Race – Offizielle Website

 

Möchten Sie auch am Fuji-Berglauf teilnehmen?
japan-ferien.ch organisiert für Sie die ganze Reise inkl. Anmeldung für den Fuji-Berglauf mit Hotel und Japan Rail Pass.

 

Buchen bei:  japan-ferien.ch

Tel. & Fax: +41 52 535 90 50 
e-mail: info@japan-ferien.ch